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KCC Europe Aktuell...

World Wide Web fürs Regime
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Berliner Zeitung, 22. November 2004. Es dauert nur ein paar Klicks - dann schmettern die Fanfaren durch das helle Büro im vierten Stock. Schmissig würde man diesen Marsch wohl nennen, wenn er denn preußisch wäre. Doch er ist asiatisch. "Das ist der Kim-Il-Sung-Marsch", sagt Jan Holtermann. "Den spielen sie da an jeder Ecke." Nur einen Klick weiter, dann ist wieder Ruhe im PC.
Jan Holtermann, 50, kennt sich aus mit dem Land von Kim Il Sung, dem vor zehn Jahren verstorbenen, gottgleich verehrten "Großen Führer" Nordkoreas und Vater des heutigen Staatschefs Kim Jong Il. Dass man in Berlin (wie überall auf der Welt) im Internet den Kim-Il-Sung-Marsch abrufen kann, liegt an Holtermann und seiner kleinen Firma KCC Europe GmbH mit Sitz in Berlin-Mitte. Denn sein "Korea Computer Centre" stellt dem kommunistischen Regime seit kurzem die technische Infrastruktur fürs Web zur Verfügung: zur eigenen Präsentation unter "www.kcckp.net" und für den Zugang zum Netz im Land. "Für die Inhalte sind wir nicht zuständig", sagt Holtermann.
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© Paulus Ponizak, Berliner Zeitung
Jan Holtermann in seinem Büro in der ehemaligen Botschaft Nordkoreas.
"Ich bin nicht der Lichtbringer", sagt er.
Wie ein Berliner Unternehmer, Ex-Banker und Ex-Treuhandmitarbeiter, dazu kommt, der so ziemlich geschlossensten Gesellschaft der Welt das so ziemlich offenste Medium derselben zu verschaffen, kann Holtermann erklären. Vor vier Jahren flog er bei einem Kulturaustausch mit Berliner Cellisten nach Pjöngjang. "Damals fiel mir auf, dass nur per Telefon und Fax kommuniziert wurde." So kam er auf eine Idee und fragte Funktionäre und Offizielle, ob man Interesse an Internetdiensten habe. Man hatte. Allerdings gab es auch ganz besondere Anforderungen an Sicherheit, an einen Schutz vor Hackern und Viren. Genau das sei auch der Grund gewesen, warum die Nordkoreaner sich nicht einfach selbst ins Netz einklinkten, sagt Holtermann. Er engagierte eine Truppe fähiger IT-Leute und unterschrieb Anfang 2003 einen Vertrag. "Nordkorea ist nach wie vor unser einziger Kunde", sagt er. Das eigentliche Rechenzentrum mit all den aufwändigen Sicherheitssystemen steht in Berlin, der nordkoreanische Einwahlpunkt in Pjöngjang ist per - teurem - Satellitenkanal mit dem deutschen Server verbunden.
Holtermann, ein jovialer Typ im gelben Jackett und mit kräftiger Stimme, hat sein Büro in der Glinkastraße - genau in dem Gebäude, das bis 1990 die nordkoreanische Botschaft in Ost-Berlin war. Die Räume werden inzwischen anderweitig vermietet, die polnische Handelsorganisation sitzt hier genauso wie ein Psychologenverband. Die Botschaft selbst ist nach nebenan gezogen, ins ehemalige Wohnhaus der Diplomatenfamilien, einem edleren Plattenbau. Holtermann muss gelegentlich mal hinübergehen, um ein paar Dinge abzuklären. Neulich zum Beispiel, als eine Zeitschrift schrieb, er habe die "Diktatur ans Netz" gebracht, gab es irritierte Nachfragen aus der Botschaft. Holtermann erklärte, dass Artikel und Überschriften hier zu Lande in der Regel von den Redaktionen selbst formuliert würden - es wurde zur Kenntnis genommen.

Vorgaben für die im Internet erreichbaren Inhalte seien ihm nicht gemacht worden, sagt Holtermann. Weder die Seiten von Amnesty International noch Pornographisches sind für Nordkoreaner gesperrt. Allerdings steht das Netz dennoch längst nicht jedermann zur Verfügung. Einen Zugang gewährt die nordkoreanische Telekom nur denen, die ohnehin ins Ausland telefonieren dürfen: also Botschaften, Firmen, Organisationen. "Mir ist kein Einzelnutzer bekannt", sagt Holtermann. Ein Zugang über KCC kostet zudem jeden Monat das Vielfache eines Ingenieurgehalts, die Computer nicht eingerechnet.

Holtermann weiß daher, dass er in der abgeschotteten Volksrepublik nun kaum das Informationszeitalter eingeläutet hat. Das ist ihm auch nicht wichtig. "Ich verstehe mich nicht als Lichtbringer", sagt er schlicht: "Ich bin Geschäftsmann und will Geld verdienen."

Jan Thomsen